Vorläufer moderner Peer-to-Peer-Kredite
Kann eine einfache Lösung die Effektivste sein? Ich erinnere mich an das gute alte Kerbholz oder den Zettel beim Kaufmann: Der Ladenbesitzer verkauft dir seine Waren auf "Anschreiben" auf einem Lieferschein. Du bezahlst die Ware einfach später.
Ja, absolut! Die altbewährten Systeme – wie das Kerbholz oder das „Anschreiben“ beim Kaufmann – sind äußerst effektive Formen des informellen Kredits. Sie basieren auf Vertrauen, Gemeinschaft und einfachen Aufzeichnungen. In vielen Regionen weltweit gibt es diese Systeme, die ohne Banken auskommen. Hier eine Übersicht:
1. Historische Beispiele aus Europa und China
A. Kerbholz (Europa, Mittelalter)
- Funktion:
- Ein Holzstab mit Kerben, die Schulden symbolisierten.
- Das Holz wurde in der Mitte gespalten: Eine Hälfte behielt der Gläubiger, die andere der Schuldner.
- Bei Rückzahlung wurden die Kerben abgeglichen.
- Vorteil: Einfach, fälschungssicher und ohne Schriftkenntnis nutzbar.
B. „Anschreiben“ beim Kaufmann (global verbreitet)
- Funktion:
- Stammkunden erhalten Waren auf Kredit, die in ein Schuldbuch oder einen Lieferschein eingetragen werden.
- Bezahlt wird z. B. monatlich oder nach der Ernte.
- Beispiel: In ländlichen Gemeinschaften ist das üblich, um saisonale Einkommensschwankungen auszugleichen.
C. Traditionelle chinesische Systeme
- „Hui“ oder „Biaohui“ (Rotierende Spar- und Kreditvereine):
- Eine Gruppe von Menschen zahlt regelmäßig in einen gemeinsamen Topf ein.
- Jedes Mal erhält ein Mitglied den gesamten Betrag (ähnlich wie Fei Lun).
- Ziel: Großanschaffungen finanzieren, ohne Zinsen zu zahlen.
- Pfandhäuser (Dangpu 当铺):
- Seit der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.) verbreitet.
- Menschen hinterlegten Wertgegenstände als Sicherheit für kurzfristige Kredite.
- Lokale Kaufleute mit „Kreditbüchern“:
- Ähnlich dem europäischen „Anschreiben“: Kunden kauften auf Kredit, und der Händler notierte die Schulden in einem Heft (z. B. „555-Kreditheft“).
2. Schlüsselmerkmale dieser Systeme
- Vertrauen statt Verträge: Geschäfte basieren auf persönlichen Beziehungen und sozialer Kontrolle („Schande“ bei Nichtzahlung).
- Einfache Aufzeichnungen: Kerbhölzer, Notizzettel oder mündliche Absprachen reichen aus. 👌
- Flexibilität: Rückzahlungstermine orientierten sich an saisonalen Einnahmen (z. B. nach der Ernte).
- Gemeinschaftsorientiert: Oft in überschaubaren Gemeinschaften verankert.
3. Risiken und Grenzen bestehender P2P-Systeme
- Ohne staatliche Instanz: Es gab keine Antwort auf das Problem, wer bei Streitigkeiten dieser Peer-to-Peer Systeme (P2P) ein Machtwort spricht.
- Abhängigkeit von sozialem Druck: Es funktionierte nur in transparenten überschaubaren Gemeinschaften mit gegenseitigem Vertrauen.
- Betrug: Es gab keine Antwort auf das Problem, wie sich Betrug vermeiden lässt, wenn Händler Schuldbücher manipuliert haben.
4. Moderne Entsprechungen
- Moderne offene und transparente P2P Systeme funktionieren durch neuste Technologien über die „Blockchain“.
- Verwende zum Beispiel die Sentz APP, wenn es um Bezahlungen geht, die sich wie digitales Bargeld anfühlen.
5. Warum diese P2P-Systeme so wichtig sind
- Finanzielle Inklusion: Sie helfen Menschen, die keinen Zugang zu Banken haben oder von diesen unabhängig werden wollen.
- Schnelligkeit: Kein bürokratischer Aufwand wie bei Bankkrediten.
- Menschlicher Faktor: Persönliche Beziehungen ersetzen Bonitätsprüfungen.
Fazit
P2P: Das „Kerbholz“ und das „Anschreiben“ sind Vorläufer moderner Peer-to-Peer Kredite – nur ohne Blockchain und Smart Contracts. Ihre Stärke lag in der Einfachheit, sie benötigten aber das gemeinschaftlichen Vertrauen. Durch die fortschrittliche Technik mit Blockchain und Smartcontract - im Verbund mit Smartphones - haben wir jetzt moderne P2P Lösungen von Mensch zu Mensch, die keine zentrale Dritte Kraft mehr braucht.
Rotierende Spar- und Kreditgruppen
Wie sind chinesische „Hui“-Vereine organisiert und wie lässt sich das auf eine Blockchain Lösung übertragen?
Hui sind rotierende Spar- und Kreditgruppen, die auf Vertrauen basieren. Jeder Teilnehmer zahlt regelmäßig ein, und jedes Mal bekommt ein Mitglied die gesamte Summe. Das geht reihum, bis alle dran waren.
Schauen wir uns zunächst an wie traditionelle „Hui“-Vereine in China organisiert sind – und wie man sie mit Blockchain-Technologie modernisieren kann. Das passt perfekt zusammen, denn die Prinzipien von Vertrauen, Transparenz und Rotation lassen sich ideal in Smart Contracts abbilden!
1. Traditionelle Organisation der „Hui“-Vereine
„Hui“ (会, auch „Biaohui“ genannt) sind rotierende Spar- und Kreditgruppen, die seit Jahrhunderten in China und unter chinesischen Diasporas existieren. So funktionieren sie:
A. Gründung und Mitglieder
- Gruppengröße: 5–30 Personen (oft Familie, Freunde oder Nachbarn).
- Organisator: Ein vertrauenswürdiges Mitglied („Hui-Kopf“) initiiert die Gruppe und verwaltet die Beiträge.
B. Rotationsprinzip
- Regelmäßige Beiträge: Alle zahlen monatlich (oder wöchentlich) einen festen Betrag in einen Topf.
- Auszahlungsreihenfolge:
- Festgelegt: Die Reihenfolge wird zu Beginn ausgelost oder vereinbart.
- Versteigert: Mitglieder bieten Zinsen, um früher an den Topf zu kommen (der Höchstbietende erhält den Betrag).
- Zyklus: Wiederholt sich, bis jedes Mitglied einmal den Topf erhalten hat.
C. Regeln und Sanktionen
- Vertrauen: Die Gruppe basiert auf sozialem Druck und Ehre.
- Strafen: Wer nicht zahlt, wird ausgeschlossen oder muss Zinsen nachzahlen.
- Keine Zinsen (im Idealfall): Rein solidarisches System.
2. Blockchain-Übertragung: So wird ein „Hui“ zum Smart Contract
Die Grundidee bleibt gleich – aber die Blockchain eliminiert das Risiko von Betrug und menschlichem Versagen. Hier ein Konzept:
A. Smart Contract als Organisator
- Code statt Hui-Kopf: Ein Smart Contract auf Ethereum, Polygon oder Binance Smart Chain übernimmt die Verwaltung.
- Transparenz: Alle Transaktionen sind auf der Blockchain einsehbar.
B. Schritt-für-Schritt-Ablauf
- Gruppengründung:
- Mitglieder connecten ihre Wallets (z. B. im Brave Browser).
- Smart Contract wird mit Regeln programmiert:
- Beitragshöhe (z. B. 100 eUSD pro Monat).
- Auszahlungsreihenfolge (zufällig oder geboten).
- Strafen bei Nichtzahlung (z. B. automatische Sperre).
- Beitragszahlung:
- Jedes Mitglied überweist den Betrag automatisch an den Smart Contract.
- Auszahlung:
- Der Smart Contract sendet den gesammelten Betrag an das berechtigte Mitglied (gemäß Rotation).
- Zyklusende:
- Der Contract schließt sich nach dem letzten Durchlauf und gibt ggf. Sicherheiten zurück.
C. Beispiel: Versteigerung per Blockchain
- Mitglieder bieten in einem dezentralen Auktionsmodul um die frühe Auszahlung.
- Der Höchstbietende erhält den Topf, zahlt aber einen „Zins“ an die anderen Mitglieder.
- Alles wird automatisch im Smart Contract abgewickelt.
3. Vorteile der Blockchain-Lösung
- Kein Betrugsrisiko: Kein „Hui-Kopf“, der mit dem Geld flüchtet.
- Automatische Sanktionen: Bei Nichtzahlung wird das Wallet gesperrt oder Sicherheiten eingezogen.
- Globale Teilnahme: Mitglieder können weltweit teilnehmen.
- Flexible Regeln: Die Logik lässt sich anpassen (z. B. mit/ohne Zinsen).
4. Code-Beispiel: Einfacher Hui-Smart Contract (Solidity)
// Vereinfachte Version eines Hui-Smart Contracts
pragma solidity ^0.8.0;
contract HuiRotatingPool {
address[] public members;
uint256 public contributionAmount;
uint256 public currentRound;
mapping(uint256 => address) public payoutOrder;
mapping(address => bool) public hasPaid;
constructor(address[] memory _members, uint256 _contribution) {
members = _members;
contributionAmount = _contribution;
currentRound = 0;
// Auszahlungsreihenfolge zufällig festlegen (hier vereinfacht)
payoutOrder[0] = _members[0];
payoutOrder[1] = _members[1];
// ... usw.
}
function contribute() public payable {
require(msg.value == contributionAmount, "Falscher Beitrag");
require(hasPaid[msg.sender] == false, "Beitrag bereits gezahlt");
hasPaid[msg.sender] = true;
}
function payout() public {
require(currentRound < members.length, "Zyklus beendet");
address recipient = payoutOrder[currentRound];
payable(recipient).transfer(address(this).balance);
currentRound++;
// Zurücksetzen für nächste Runde (falls wiederholt)
}
}
5. Tools und Plattformen für die Umsetzung
- Ethereum/Polygon: Für Smart Contracts mit geringen Gebühren.
- OpenZeppelin: Sichere Vertragsvorlagen.
- IPFS/Arweave: Dokumentation der Gruppenregeln dezentral speichern.
- DAOs (z. B. Aragon): Demokratische Entscheidungsfindung in der Gruppe.
6. Herausforderungen
- Technische Hürden: Mitglieder benötigen Grundwissen über Krypto-Wallets.
- Regulatorische Grauzone: Je nach Land könnten solche Contracts als Finanzdienstleistung eingestuft werden.
- Menschlicher Faktor: Sozialer Druck entfällt – die Blockchain „bestraft“ nur digital.
Fazit
„Hui“-Vereine lassen sich perfekt auf die Blockchain übertragen – die Technologie löst die größten Schwächen (Betrug, Intransparenz) und bewahrt die Vorteile (Gemeinschaft, Flexibilität).
Wenn du selbst einen solchen Contract erstellen möchtest, können WiR mit Code-Beispielen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen helfen! 😊